3.6.2024

Daniel Osterwalder

Mittsommer - Fest der Sommersonnenwende

Ein Moment, um innezuhalten?

Jahreskreisfeste und -rituale bieten sich an als Möglichkeiten, uns in und mit Welt wieder etwas stärker und intensiver zu verbinden. Einfache Gänge in der Natur, kleine Rituale, das Räuchern entsprechender Pflanzen und Harze unterstützen uns für diese Momente der Unverfügbarkeit.

Mittsommer – aus der Fülle schöpfen

Gruppen, die sich zu Jahreskreisfesten und -ritualen treffen, scheinen konspirativen Gruppen nicht unähnlich: Überschaubar ist der Kreis der Menschen, die sich dazu einfinden, lauschig bis heimlich scheinen die Plätze in der Natur, wo sie sich treffen und eigenwillig der Verlauf, dem sie mitgestaltend beiwohnen. Eine Ausnahme ist dabei Mittsommer oder die Sommersonnenwende, das als Fest mit viel Festcharakter, mit Bühnenauftritten und viel Trara die Menschen im Sommer anziehen, eine lauschige Sommernacht draußen und gemeinsam zu verbringen. Nur: Der Charakter des Jahreskreisrituals geht dabei etwas verloren.

Ein Blick zurück

Das war nicht immer so. Zu Zeiten, als noch nicht die industrielle Landwirtschaft mit ihren für Boden und Natur destruktiven Tendenzen vorherrschte und, so die Annahme, die Menschen in und mit statt auf der Welt lebten, schienen sie mit dieser Welt, als deren Teil sie sich verstanden, verbunden zu fühlen. Die Jahreszeiten waren nicht einfach Ereignisse im Kalender. Vielmehr rhythmisierten sie das Leben von Mensch und Natur. Während in unseren Breitengraden im Winter alles ruhte und sich die Lebenswirklichkeiten der Menschen nach innen kehrten, kam spätestens im Frühling wieder viel Bewegung auf und richtete sich die Aufmerksamkeit der Menschen nach außen. Während im Frühling alles in seine ganz eigene Kraft kam (Blumen, Bäume, Tiere), vollendete sich diese Ausdehnungsbewegung in der Sommersonnenwende – ganz nach dem Motto: In der Fülle sein. In der Fülle sein bedeutet auch, dass wir aus der reichen Natur schöpfen können und dass wir, wie auch die Natur und alles in der Welt in einer ganz eigenen Kraft stehen. Und wenn wir es als Bewegung betrachten, so ist es eine Bewegung der Ausdehnung, der Dominanz und der Macht.

Was ging verloren

Wir schauen heute auch mit einem weinenden Auge auf die Jahreskreisfeste, u.a. auf Mittsommer. Weil wir erahnen, dass wir u.a. viele Bezüge in die Welt verloren haben. So tauchen wir nicht mehr wirklich IN die Natur ein, sondern machen sie uns zunutze, indem wir uns AUF ihr auf Mountainbikes, E-Bikes, mit Turnschuhen bewehrt joggend, mit Stöcken ausgerüstet walkend und wandernd bewegen, um Strecken zu bewältigen, Zeiten zu erreichen, Schrittzahlen zu erfüllen und uns auf sonst eine etwas befremdliche Art AUF ihr zu bewegen. Diese Formen des von der Welt Getrenntseins, der Zurichtung der Welt (oder Verfügbarmachung, wie es Hartmut Rosa im dünnen Band „Unverfügbarkeit“ nennt) für unseren Nutzen hat nichts anderes im Kern als die Herrschaft darüber, die Kontrolle über Welt in unserem Hang und unserer Denkverzerrung zur Selbstüberschätzung. Das jüngste Kind dieser Selbstüberschätzung heißt Künstliche Intelligenz und meint auch, dass wir die selbstangerichtete Katastrophe u.a. des Klimas auf irgendeine Art in den Griff kriegen, technisch in den Griff kriegen und damit abwenden können. Diese Strategie ist ähnlich eindimensional wie beispielsweise der KAMPF gegen schwere Krankheiten wie Krebs, während sich eine lebenszyklische Orientierung an EINLASSEN orientiert und der Unverfügbarkeit Raum lässt im Vertrauen darauf, dass sich die Prozesse so entwickeln, wie sie in sich angelegt sind.

Und die Alternative?

Fern von der Debatte, ob wir Menschen von der Biologie oder der Kultur getrieben sind: Wir sind auf jeden Fall Naturwesen. Wie Bäume beispielsweise. Oder Ameisen, Amseln, Blaukelchen oder wie Farne, Pilze und viele andere mehr. Und als Naturwesen haben wir die Fähigkeit, die Natur in und um uns wahrzunehmen. Was in unseren Breitengraden bedeutet, dass wir die Jahreszeiten wahrnehmen können. In uns und um uns herum.

Die Reise durch den Jahreskreis ist dabei zweierlei:

  • Einerseits begeben wir uns an acht Tagen, verteilt über das Jahr in die Natur (Achillea Garten in Freiburg i. Br.) und nehmen uns ganz bewusst Zeit dafür, uns auf Natur und auf den Jahreszyklus einzulassen. Die Jahreszeiten, deren Bewegungen und Energien und auch die Übergänge nehmen wir dabei bewusst wahr.
  • Andererseits tauchen wir dabei mittels Ritual und einem kleinen Prozess ein wenig tiefer ein in unsere Beziehung mit uns und mit Welt. Wir stellen uns Fragen danach, wo wir gerade unterwegs sind und auf welche Weise wir im Leben und in der Natur eingebunden sind in einen größeren Verlauf.

Nächste Gelegenheit: Ritual zu Mittsommer am 21. Juni 2024, 19 Uhr 30 - 22 Uhr im Achillea Garten in Freiburg i. Br.

Daniel Osterwalder / Juni 2024

 

 

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